Musik aufdrehen, ein bisschen dazu tapsen und nach Hawaii brummen: Ahhh so geht das also!

Wer kennt das nicht: Man hat einen wichtigen Termin, ist nervös, hat sich inhaltlich bestens vorbereitet und dann das... man bekommt fast kein Wort raus. Das soetwas nicht nur in einem Bewerbungsgespräch vorkommen kann, habe ich spätestens bei meinem Heiratsantrag gemerkt :-)

 

Die gute Nachricht: Man kann lernen, mit der Stimme in solchen Situationen umzugehen.

 

Vor einiger Zeit durfte ich einen Stimmtrainer kennenlernen, der seit vielen Jahren Sänger/innen, Moderatoren/innen, Führungskräfte und viele andere coacht und Stimmtrainings anbietet. Heute gibt er Tipps, wie deine Stimme im Bewerbungsgespräch sicherer wird!

Rene, du beschäftigst dich seit vielen Jahren mit der Stimme deiner Kunden/innen. Was bedeutet für dich grundsätzlich eine sichere und überzeugende Stimme?

Stimmtrainer Rene Oblak in seinem Tonstudio
Stimmtrainer Rene Oblak in seinem Tonstudio

Sicherheit und Überzeugungskraft in der Stimme bedeutet für mich, dass die Sprecherin oder der Sprecher mir als Zuhörer den Eindruck vermittelt, von dem Gesagten Ahnung zu haben und mit der Stimme dies transportiert. Es bedeutet, mit Atmung, Stimme und dem gesamten Körper Kompetenz und Sicherheit auszustrahlen und auch in kritischen Situationen bei sich zu sein und ruhig und gelassen zu bleiben. Sobald eine Stimme nicht mehr im Kompetenzbereich arbeitet, also zu hoch, zu gepresst, dünn und brüchig ist und durch Kurzatmigkeit oder zu wenig Atemvolumen der Sprachrhythmus getrieben wirkt, kann der Eindruck einer eingeschränkten Kompetenz und verminderter Präsenz auch durch Hilfsmittel der Präsentation und Rhetorik nur begrenzt kaschiert werden.

Kann man seine Stimme vor einem Bewerbungsgespräch vorbereiten? Gibt es z.B. eine Möglichkeit, wenn man mit dem Auto zum Termin unterwegs ist. (so wie es auch Sänger/innen vor einem Auftritt machen)

Natürlich kann man sich für ein Bewerbungsgespräch vorbereiten. Die Vorstellung, man fährt zu einem Termin oder einem Vorstellungsgespräch und bereitet sich kurz stimmlich oder mental auf das Gespräch wie im Ratgeber beschrieben erfolgreich vor hilft allerdings vielleicht beim Verkauf des Ratgebers, jedoch nicht dem Menschen der gerade im Auto sitzt und ein funktionierendes Werkzeug benötigt. Stimmtraining ist wie Fitnesscenter - Bodybuilder wirst du nicht durch einmaliges Hingehen. Stimme entsteht unter anderem durch das perfekte Zusammenspiel von Muskeln und somit ist hier wie beim Bodybuilding richtiges und professionelles Training für ein professionelles Ergebnis unumgänglich. Die folgenden Übungen sollten also nicht auf dem Weg zum Termin oder zur Vorstellung gemacht werden, sondern ständiger Begleiter sein.

 

  1. Ich empfehle meinen KlientInnen ein Stimmbuch zu führen. Im kompakten Format, je nach Geschmack farblich passend. In diesem Buch wird nun alles Auffällige zum Thema Stimme festgehalten. Zum Beispiel: Gestern Nudeln gegessen - und war total müde. Heute in der Früh gelaufen  und mir geht es super. Hab lange geschlafen und jetzt bin ich voll fit. Vieles, was unser Stimminstrument - unseren Körper - betrifft, nehmen wir nicht wahr, weil wir nicht darauf achten. Somit könnte in unserem Beispiel das Ausschlafen, etwas Bewegung und das Weglassen von Nudelgerichten vor dem Vorstellungsgespräch oder Termin ein hilfreicher Tipp sein, den jeder für sich selbst herausarbeiten kann.
  2. Um rasch und effektiv sein Stimmband zu finden bietet sich an zu seufzen, zu brummen oder wie beim Urlaub auf Hawaii in der Sonne vor lauter Wohlfühlen zu stöhnen. Mmmmmhhhh. Es stimmt das Stimmband ein, man macht durch das Denken an Hawaii (oder auch Italien) mental einen Ultrakurzurlaub, der entspannt, und durch den Kurztripp ist man für Sekunden vom Stress des bevorstehenden Termins losgelöst.
  3. Einmal tief durchatmen. Wer kennt das nicht? Nach einem Termin, wenn etwas geglückt ist oder nach einem überstandenen Arztbesuch atmet man einmal richtig auf oder durch. Warum also nicht auch vor dem Termin? Augen zu - ab nach Hawaii - tief einatmen - beim Ausatmen stöhnen/brummen. Augen auf und entspannt sein. Also gleich mal ausprobieren.

Worauf kann man während einem Bewerbungsgespräch achten, dass die Stimme besser klingt?

Folgende Dinge haben eine direkte Auswirkung auf die Stimme und können laufend beobachtet und zum Teil leicht korrigiert werden. Fühle ich mich wohl, stehe ich gut, atme ich entspannt, bin ich muskulär angespannt, lächle ich oder bin ich grimmig, will ich diesen Termin überhaupt oder möchte ich lieber flüchten...? Die Lösung ist gleich einfach wie schwer. Wenn ich merke, dass ich meinen Kiefer verkrampfe, sollte ich lockerlassen, wenn ich zu ernst werde, einfach mal kurz lächeln, wenn mir die Luft auszugehen scheint hilft meist, kontrolliert einzuatmen. Doch wer keine Übung darin hat, sich selbst wahrzunehmen, ist damit beim Termin überfordert - also gleich damit anfangen. Wie sitze ich jetzt, wo ich diesen tollen Blog lese, wie schaue ich drein, was machen meine Beine, wie spürt sich der Raum an, in dem ich sitze? Wenn man das immer und immer wieder macht, wird man ein Meister in der Wahrnehmung. Einfach tun, lautet die Devise.

Was macht man, wenn man sehr nervös ist und auch die Stimme zu "zittern" beginnt?

Atmen, atmen, atmen, Und auch wenn es schwierig erscheinen mag, es gibt drei Möglichkeiten für jede Situation: Love it, change it or leave it. Nervosität ist ok, solange sie nicht lähmend wirkt. Peter Alexander hat schon so schön gesagt, wenn er kein Lampenfieber hätte, würde er den Job als Entertainer und TV-Star an den Nagel hängen. Das Kribbeln im Bauch ist ein Teil von uns.

 

Und wenn Angst lähmend wird, hilft vielleicht folgender Gedanke: Was sagt man einem Kind vor einer Prüfung? "Du wirst alles vergeigen und durchfallen,"oder "Du schaffst es, du wirst sehen." Es kann hilfreich sein, mit sich selbst positiv und aufbauend zu sprechen statt negativ und hoffnungslos zu denken. Also "Speak and think positiv!" Los geht´s!!!

 

Weiters kann darauf geachtet werden, die Stimme im Kompetenzbereich zu erhalten, was man mit den oben angeführten Übungen gut erreicht.

Hast du einen Tipp für Bewerber/innen die ein Bewerbungsgespräch per Telefon führen?

Das Gespräch beginnt bereits, bevor der Hörer in die Hand genommen wird. Unsere Stimme reagiert sofort auf unsere Emotionen und unsere mentale Einstellung. Also, bevor das Telefonat beginnt kann es hilfreich sein, sich schon mental auf das Gespräch vorzubereiten: Was will ich? Ich will diesen Job! Wie schön wird es sein, in dieser Firma zu arbeiten! Ich sehe mich schon in der Früh hinfahren, das wird aufregend, ich freue mich!

 

Freude, Bereitschaft, Einsatzbereitschaft und Power sind in der Stimme zu hören. Wenn ich gerade die Zeitung gelesen und erfahren habe, dass es das ganze Wochenende regnen wird, wo ich doch raus in die Natur wollte, wird sich mein mentaler Zustand und somit auch meine Stimme dementsprechend anhören. Und vor allem wird es mir bei meinem Vorstellungsgespräch nicht weiterhelfen, wenn ich beeinflusst vom Regenwochenende auch eine verregnete Stimme habe.

 

Also: Energie auf das, was ich will, aufrichten - atmen - in Bewegung kommen (Musik aufdrehen und ein bisschen dazu tapsen oder losspringen) - dann nach Hawaii atmen/brummen - und entspannt zum Hörer greifen und den Job sichern. 

Rene Oblak Gründer und Geschäftsführer der Voice Academy
Rene Oblak Gründer und Geschäftsführer der Voice Academy

Rene Oblak ist Stimmtrainer, Tonstudiobetreiber, Musiker/Produzent. Mit seiner VOICE-ACADEMY bietet er seit 2004 Workshops, Seminare und Coachings rund um die Themen Atmen - Sprechen - Singen an. Seine "Oblak Methode" ist eine Stimmtrainigs- und Persönlichkeitsentwicklungsmethode, die darauf ausgerichtet ist, Menschen zur eigenen Stimme zu führen und das volle Potential der Stimme zu entfalten.

 

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